One Piece - The Begin x)

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 Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?

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AutorNachricht
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BeitragThema: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Mo Okt 03 2016, 14:12

Wir reisen in der aktuellen Zeit mal 6 Jahre zurück, als Tuncuri 17 war...

"Was soll ich dir denn noch beibringen?", fragte Singer belustigt und zog genüsslich an seiner Zigarre. Der Mann mit dem Nodachi blickte aus seinen eiskalten Augen zu ihr herab und kratzte sich das mächtige Kinn.
Dann schob er sich die Mütze in den Nacken und stand auf, als wollte er sich auf eine Weltreise machen. Dabei gab sein gewaltiger Ledermantel ein lautes Flattern von sich.
"Wenn du so weiter machst, endest du noch auf dem Schafott. Wenn du Glück hast, richten sie dich im Marineford hin, dann hast du wenigstens dein Ziel erreicht." Er stieß ein böses, sarkastisches Lachen aus. "Und jetzt füll meinen Krug auf, der ist nämlich schon wieder leer!"
Die Gäste in der kleinen Kneipe wandten sich ihm alle zu und starrten ihn aus großen Augen an, als er der Barkeeperin den Krug auf den Tresen knallte. Singer war ein Riese unter den Menschen und musste sich für diese Geste weit nach vorne beugen, da ihm der Tresen gerade mal bis zur Mitte der Oberschenkel reichte.
Die Barkeeperin zuckte unbeeindruckt die Schultern und Tuncuri konnte in ihrer Mimik den Gedanken "Na, solange du bezahlst..." lesen, als sie den Krug entgegennahm und ihn zum Zapfhahn führte.
"Da fällt mir ein...!" Singer setzte sich wieder auf den Hocker, der ihm viel zu klein war und beugte sich zu Tuncuri herunter, dass sie seine Alkoholfahne ins Gesicht bekam. Dann senkte er verschwörerisch seine Stimme und merkte an: "Eine letzte Sache müssen wir für dich noch erledigen, sonst lese ich in zwei Wochen - ach, Blödsinn! - in zwei Tagen eine Schlagzeile "Rookie-Kopfgeldjägerin beim Attentat auf einen Marine-Admiral geschnappt worden - Hinrichtung: Morgen." Und das wollen wir ja nicht!" Er lachte wieder in seiner boshaften Lache über seinen Witz, während Tuncuri froh war, dass er dabei wenigstens nicht schon wieder die gesamte Aufmerksamkeit der Kneipe auf sie zog.
"Und was soll das sein? Soll ich mich etwa maskieren?", fragte Tuncuri leise und ohne jede Spur von Erheiterung.
"Du kannst ja Gedanken lesen, du kleines Scheusal!" Singer legte eine Hand auf Tuncuris Schulter, die so schwer war, dass Tuncuri ihren Oberkörper anspannen musste, um nicht nach hinten vom Hocker gedrückt zu werden. "Na komm, wir suchen einen alten Freund von mir auf! Das wird lustig!" Er zückte einen Bündel Berry-Scheine und knallte sie auf den Tresen, dann packte er den Krug und stürzte das Bier in einem Zug runter, ehe er aufstand.
Tuncuri stand ebenfalls auf und mied dabei den Blick der übrigen Gäste, während sie ihm folgte.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Mo Okt 03 2016, 21:44

Tuncuri folgte Singer ohne zu reden. Er selbst sagte auch kein Wort.
Weder erklärte er ihr, welche Beziehung er zu dem alten Freund genau hatte, noch, wer dieser alte Freund war.
Aristokraten, Marinesoldaten und Händler drängten sich dicht aneinander, um durch die sehr breite, für die Menschenmenge aber zu schmale Straße zu kommen.
Hier und da wurde laut geschrien, gelacht oder geweint.
Einige diskutierten angeregt, andere folgten schweigsam ihrem jeweiligem Strom.
Es gab kleine Kinder und Säuglinge in der Menge, so wie kräftige Junge Herren und Männer mittleren Alters. Alte Greise waren kaum anzutreffen.
Tuncuri gingen sie alle gleichermaßen auf die Nerven. Sie hätte jeden von ihnen am liebsten einen Pfeil ins Herz gesetzt.
Während sie sich weniger an den Schweigenden störte, verspürte sie einen gewaltigen Groll gegen jeden der die Stimme auch nur noch so leise erhob und damit den Frieden in ihrem Inneren außer Balance brachte.
Nach außen hin war sie ruhig, verschlossen und aufmerksam. Niemand hätte zu sagen vermocht, was in ihr vorging. Und so sollte es auch bleiben.

Nachdem sie einen riesigen Platz überquert hatten, auf dem in der Mitte Piraten auf einem gewaltigen Schafott hingerichtet wurden, die schon zu Hunderten Schlange standen - nicht wenige davon in Seestein-Handschellen - und an dessen Rande alle Arten von Gütern feilgeboten wurden - tote wie lebende -, bog Singer in eine Gasse ab, die so schmal war, dass selbst ein Nadelöhr neidisch geworden wäre.
Tuncuri kam nicht umhin, die Gerissenheit der Händler anzuerkennen, die ihre Stände nicht wie üblich am Rand des Platzes erbaut hatten, sondern um das Schafott herum. Wer zu einer Massenhinrichtung kam, war meistens in Kauflaune. Außerdem hätte das Schafott sonst alle Aufmerksamkeit von ihnen gelenkt.
Durch die enge Gasse, die sonst absolut keine Menschenseele nutzte, kamen sie auf einen kleinen Hof, auf dem sich Hühner herumtrieben und allerhand Unrat verstreut lag, an dem sich Fliegen gütlich taten.
Singer steuerte das Haus am Kopfende des Hofes an, in dessen Eingang eine dicke Frau an den Türpfosten gelehnt stand und Pfeife rauchte.
Ihr Blick genügte, um Tuncuri wissen zu lassen, dass sie für Singer am liebsten an Ort und Stelle die Beine breit gemacht hätte.
"Auch wenn das bei der Wampe auch nicht viel bringt.", dachte Tuncuri zynisch.
"Mama Chini!", begrüßte Singer sie herzlich und mit jenem dreckigen Unterton in der Stimme, der ihm irgendwie zu eigen war, so wie ein Haufen Fliegen einem Schweinehirten.
"Francis mein Süßer!", entgegnete die Frau mit einem Stimmvolumen, das Tuncuri bei der Leibesfülle nicht überraschte. Und die Stimme war auch der Angewohnheit des Pfeiferauchens entsprechend dunkel. "Was kann ich für meinen Zuckerboy tun?"
"Ist Crispy zuhause?", fragte Singer wieder so herzlich, wie Tuncuri ihn noch nie erlebt hatte. Der dreckige Unterton in seiner Stimme hätte einen normalen Menschen angesichts eines solchen Widerspruchs wohl zum Lachen gebracht, aber Tuncuri hatte mit "Mama Chini" eine neue Leinwand für ihren Hass gefunden, weshalb sie zu sehr damit beschäftigt war, nicht ihren Bogen zu ziehen und der Fetten einen Pfeil ins Herz zu jagen.
"Awww, bist du nicht gerade am Schafott vorbei gekommen?", fragte Mama Chini bedauernd. Als sie Singers entsetzten Gesichtsausdruck sah, fing sie unwillkürlich an, lauthals loszulachen und dabei zu grunzen wie ein Schwein. Die Lache war so dreckig, wie Singers gesamtes Auftreten an einem Tag.
"Du hättest dein Gesicht sehen sollen! Er ist hinten und stellt gerade sein neues Meisterwerk fertig. Er sprach heute Morgen noch davon, wie sehr er dich vermisst. Geh zu ihm und nimm dieses bittersüße Geschöpf an deiner Seite mit." Damit warf sie Tuncuri einen tiefen Blick zu, aus dem jede Heiterkeit gewichen war und das Mitleid in ihren Augen versetzte Tuncuri einen unwillkürlichen Stich, der den Hass wie ein Feuer erlöschte. Plötzlich fühlte sie sich Elend und wollte sich übergeben, zusammenrollen und auf den Boden legen. Nichts davon war ihrer Mimik anzumerken, doch ihre Hände begannen zu zittern, weshalb sie diese an ihren Gürtel legte und diesen fest umklammerte, damit es niemand sah.
Schweigend folgte sie Singer in die Hütte, wissend, dass Mama Chini der erste Mensch war, der sie auf Anhieb durchschaut hatte.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Di Okt 04 2016, 17:36

Die Hütte, welche auf dem Hof noch wie eine kleine Bruchbude gewirkt hatte, stellte sich als außergewöhnlich geräumlich heraus.
Es gab eine große Halle im Zentrum des Gebäudes, in dessen Mitte eine Feuerstelle war, über der sich mehrere gehäutete und ausgenommene Kadaver an Spießen drehten, die man zum Kämpfen hätte benutzen können. Die Männer, die die Spieße drehten, waren allesamt jung, kaum älter als Tuncuri.
Von dieser zentralen Halle zweigten drei Flure ab, an deren Seiten jeweils fünf Schlafzimmer lagen und an deren Enden sich Arbeitsräume befanden.
Singer folgte dem Klang von Metall, das mit Urgewalt auf anderes Metall stieß und Tuncuri folgte wiederum Singer.
Dabei führte ihr Weg sie links an der Feuerstelle vorbei durch einen der langen Flure in einen dunklen Raum, der lediglich von der Glut einer gigantischen Esse beleuchtet wurde, in der einige Eisen lagen, die, wenn Tuncuri genauer hinsah, Zangen waren, die Masken hielten.
Verwundert darüber, dass es keine Waffen waren, die in der Esse vor sich hin glühten, wandte sie sich dem Mann zu, mit dem Singer sogleich den Dialog suchte. Tuncuri war sofort klar, dass der junge Bursche mit den blauen Haaren und der drahtigen Statur Crispy sein musste. Er ließ mit einer Kraft, die man seiner Statur in keinster Weise ansah, den Hammer auf eine glühende Maske niedersinken, dass die Funken wie Fontänen davonstoben. Die Venen traten durch die vor Schweiß glänzende Haut seiner Arme und seines Nackens deutlich hervor.
"Mensch Crispy, du bist ja immer noch das Klappergestell, das Mama vor vier Jahren in der Gosse aufgelesen hat!" Singer lachte bei der Erinnerung an ihre erste Begegnung.
"Man kriegt hier auch viel zu wenig zu essen", erwiderte Crispy gut gelaunt. Seine Stimme klang seltsam sonor durch die eiserne Schutzmaske, die er trug. Ohne seine Tätigkeit zu unterbrechen, oder Tuncuri eines Blickes zu würdigen, fuhr er fort: "Wenn die Kleine eine Maske von mir will, muss sie mir aber einen großen Gefallen tun. Du weißt ja, was meine Kunden normalerweise zahlen!"
"Keine Sorge, die ist wie ein gutes Pferd: Springt so hoch sie muss, aber auch nicht höher als das", lachte Singer in seiner dreckigen Manier.
"Was für einen Gefallen willst du von mir?", fragte Tuncuri mit sichtlicher Verärgerung darüber, dass Singer versuchte, sie bei Crispy beliebt zu machen. "Solange ich dabei Blut vergießen kann, bin ich für alles zu haben."
Crispy unterbrach sein Hämmern für einen kurzen Augenblick. Tuncuri konnte nur vermuten, welchen Blick sie damit aus den Augen hinter dem schwarzen Visier, in dem sich der Widerschein der Glut spiegelte, erntete.
"Ich hätte vielleicht erwähnen sollen, dass ich die Kleine nicht für Mamas Crew ausbilde, sondern weil ich eine Assistenzattentäterin brauche", merkte Singer in seiner versauten Lache an.
"Du bist aber auch immer wieder für eine Überraschung zu haben, was?" Crispy war plötzlich ernst und es gelang ihm nicht, diese Frage so belustigt zu betonen, wie er wollte, dass sie klang. "Nun gut, du kannst mir, beziehungsweise den Piraten dieser Stadt, tatsächlich einen Gefallen tun, der eine ganze Menge mit Blutvergießen zu tun hat. Normalerweise würde ich niemanden darum bitten, aber wenn Singer dich anschleppt, kann ich mir sicher sein, dass der Auftrag zur vollen Zufriedenheit des Klienten erfüllt wird."
"Einen Namen und eine Personenbeschreibung brauche ich, und du sollst den Kopf der Zielperson in spätestens einer Stunde vor deinen Füßen haben."
"Die Bedingungen sehen leider etwas anders aus", entgegnete Crispy mit einer Zögerlichkeit, bei der klar war, dass er sich vor Singers Reaktion fürchtete, denn als er den Hammer wieder hob, warf er dem Attentäter mit dem Nodachi einen flüchtigen Blick zu. "Du sollst das Ziel nicht heimlich und ungesehen töten, sondern so öffentlich wie möglich. Die Klienten wollen damit ein Zeichen setzen, aber sie zahlen auch entsprechend gut. Es kann sein, dass dir abzüglich der Kosten für die Maske noch eine fette Summe übrig bleibt."
"Ich höre."
Crispy hielt kurz inne, um tief Luft zu holen, dann schwang er den Hammer und eine Kaskade von Funken ergoss sich auf den gepflasterten Boden vor dem Amboss. "Das Ziel ist der Henker auf dem Marktplatz."
"Haaaahaahaaaa! Ich wusste, dass es mit dir nie langweilig wird, Knirps!" Singer klatschte sich vor Erheiterung in die Hände.
"Betrachte den Job als erledigt." Damit machte Tuncuri kehrt und verließ die heiße und stickige Schmiede, durchquerte die Halle, ohne den Köchen einen Blick zuzuwerfen und mied auch den Augenkontakt mit Mama Chini, die noch immer im Eingang stand und gemütlich an ihrer Pfeife rauchte.
"Was auch immer du dir davon erhoffst, du wirst es nicht finden!", rief die Fette Tuncuri hinterher, die schon wieder einen Stich bei dem Gedanken verspürte, dass sie bis aufs Mark durchschaut wurde.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Mi Okt 05 2016, 15:42

Tuncuri sah den Platz mit neuen Augen.
Die Menge sah sie nicht länger als Ärgernis, sondern als Tarnung.
Und das Schafott war der Punkt ihres Fokus.
Sie sah die umliegenden Häuser nicht mehr als beengend, sondern als potentielle Schusspositionen.
Sie zwängte sich am äußersten Rand der Menge entlang zu einem der Hotels und betrat es.
Sogleich steuerte sie die Treppe am Kopfende der geschäftigen Eingangshalle an und sprintete, immer drei Stufen auf einmal nehmend, die Stufen hoch. Dabei rempelte sie einige Pagen an und bekam einige Beleidigungen von erschrockenen Gästen zu hören. Einer der Pagen fiel dabei übers Geländer und versank schreiend in der Tiefe.
Als Tuncuri auf der Galerie angekommen war, suchte sie eine Zimmertür, die gerade verschlossen war und trat sie kurzerhand auf, dass Holz in alle Richtungen splitterte.
Die gewaltige Fensterfront blickte auf die riesige Hotelanlage, die sich auf der dem Platz abgewandten Seite befand.
Tuncuri nahm sich ohne nachzudenken einen Sessel und warf ihn zum Fenster raus, um die Scheibe zu beseitigen. Sie hätte das Fenster auch einfach öffnen können, aber dafür fehlte es ihr an Rücksichtnahme.
Schließlich kletterte sie durch die geborstene Scheibe auf die Fensterbank und von dort die Fassade nach oben, bis sie am Dachfirst ankam, wo sie keine Wahl hatte, als die Füße von der Fassade zu nehmen, um dran zu kommen. Einen bangen Moment schwang ihr Körper fünfzehn Stockwerke über dem Gehweg, dann spannte sie alle Muskeln an und und zog sich an der Kante des Firstes nach oben, bis sie ein Bein auf den First setzen konnte, dem dann das andere Bein sogleich folgte.
Tuncuri überquerte das Flachdach und blickte auf den Platz hinab. Von hier oben wirkten die Menschen wie Holzpuppen und das Schafott stach aus der Menge an Leibern hervor. Hinter dem Schafott standen die Piraten in einer Schlange, die bis zum Ende des Platzes und höchstwahrscheinlich noch weit darüber hinaus reichte. Allesamt starrten sie düster vor sich hin.
Tuncuri nahm den Bogen von der Schulter und einen Pfeil aus dem Köcher, dann ging sie in die Hocke.
Mit einer meditativen Gelassenheit, die kein geistig gesunder Mensch bei der Absicht, einen anderen zu töten, zeigen konnte, legte sie den Pfeil auf die Sehne, drei Finger unter den Pfeil und einen darüber, dann streckte sie den Bogenarm und zog die Sehne zurück; ihr Oberkörper war so gerade, als hätte man einen Besenstiel dran festgebunden.
Sie wusste, dass die Spannkraft mit jedem Sekundenbruchteil nachließ, den sie den den Bogen überspannte, deshalb visierte sie sogleich den Henker an, kompensierte Gravitation und Windgeschwindigkeit und wartete, bis der Halbriese mit der Lederhaube auf dem Kopf, die die obere Hälfte seines Gesichtes verdeckte, sein Breitschwert hob.
Dann ging der Pfeil von der Sehne und Tuncuri wartete den scheinbar endlosen Augenblick, den er brauchte, um sein Ziel zu erreichen, ab, dann ließ sie sich zur Seite fallen und rollte sich von der Dachkante zurück, damit sie niemand sah, wenn er in die Richtung schaute, aus der der Pfeil gekommen war.
Das Geschrei der Menge verschaffte Tuncuri eine grimmige Genugtuung. Das Gefühl, etwas erreicht zu haben, ließ sie kurz euphorisch werden, ehe sie sich zur Vernunft rief und der Schmerz wieder einsetzte, den die tiefe Leere in ihr in kalkulierbaren Abständen auslöste.
Eine einsame Träne löste sich aus ihrem linken äußeren Augenwinkel und rann ihre Schläfe hinab in ihre Haare, dann drehte Tuncuri sich langsam auf die Seite und begab sich in die Hocke.
Es war wieder Zeit, zu Crispy und Singer zurückzukehren.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Do Okt 06 2016, 11:34

"Was, ihr Schwächlinge wollt Marinesoldaten sein!?"
Ein muskelbepackter Mann, der in der Uniform eines Brigadegenerals vor einem Haufen zitternder Kadetten stand, schlug sich mit der Faust in die hohle Hand. Sein blonder Irokesenschnitt wurde von Drachentättowierungen umrahmt und seine smaragdfarbenen Augen durchlöcherten die jungen Burschen, die teilweise aus Notwendigkeit und teilweise aus Überzeugung eine Ausbildung zum Marinesoldaten angefangen hatten und die sich wie Büffel, die von einem Wolfsrudel angegriffen wurden, zusammenrotteten.
"Also, wir haben einen Pagen mit 54 Knochenbrüchen, eine kaputte Tür und ein beschädigtes Fenster sowie einen toten Henker zu beklagen und keiner der Gäste will sich an das Gesicht der Attentäterin erinnern können!?", fragte er mit mehr Nachdruck als notwendig gewesen wäre, um die Kadetten noch weiter einzuschüchtern. "Ich will, dass ihr jeden Stein und jeden Strohhalm umdreht, bis ihr sie gefunden habt! So viele Bogenschützinnen kann es in dieser reichen und bequemen Stadt doch nicht geben! Oh, und wenn ihr nicht wollt, dass ich euren Ausbilder von eurem Unvermögen in Kenntnis setze, dann habt ihr das gefälligst gestern erledigt!"
Die Kadetten machten sich in alle Himmelsrichtungen davon wie ein Schwarm Fliegen, die gerade auf einem Misthaufen gesessen hatten und von einer nahenden Bedrohung aufgescheucht wurden.
Tuncuri gönnte sich ein Aufatmen, ehe sie um die Ecke bog, den Bogen bereits gespannt, und dem Brigadegeneral in den Rücken schoss. Oder zumindest versuchte sie das, denn der so gar nicht wendig wirken wollende Mann wich dem Geschoss, das er gehört haben musste, mit einer Beweglichkeit aus, vor der selbst Tuncuri ihren Hut gezogen hätte, wenn es sie nicht in eine so gefährliche Situation gebracht hätte.
"Sehe ich aus wie ein beschissener Henker!?" Der Brigadegeneral wandte sich Tuncuri zu und urplötzlich schossen aus seinen Händen, die er auf sie richtete, Spinnweben hervor.
Das Mädchen zögerte nicht und machte zwei Radschläge nach links, durch die sie der Attacke mühelos auswich und sich wieder aus der Schusslinie und dem Blickwinkel ihres Widersachers brachte.
"Du kannst dich nicht vor mir verstecken, ich habe den Spinnensinn!"
Tuncuri, die eine leichte Arachnophobie nicht von sich weisen konnte, spürte, wie ihr ein angewidertes Kribbeln den Rücken herab lief.
Dann rannte sie los, und während sie rannte, konnte sie hinter sich das laute Trippeln von acht wütenden Beinen hören, die ihr ans Leder wollten. Dass der Mann genug Selbstvertrauen hatte, um keine Verstärkung zu rufen, sprach für sich.
Tuncuri hörte ein wütendes Spucken und duckte sich instinktiv, worauf hin eine grüne Plörre über sie hinweg flog und zischend auf dem Pflaster landete, wo sie sich durch mehrere Fingerbreit Gestein ätzte.
Die Flüchtige setzte mit einem Salto über das Hindernis hinweg und sprintete weiter, als ihr ohne Vorwarnung etwas riesiges den Weg versperrte.
"Du dachtest doch wohl nicht, du könntest es mit einem Brigadegeneral aufnehmen, oder? Lass mich das machen, meine Kleine!"
Damit zückte Singer sein glutrotes Nodachi und schob Tuncuri hinter sich.
"Na komm her, du Ungeziefer! Mit dir mache ich kurzen Prozess!"
Die Spinne, deren Leib groß genug war, um ein Pferd im Ganzen zu beherbergen, hielt inne und starrte furchtsam auf die Waffe, von der eine sichtbare Hitze ausging, sobald Singer sie führte.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Fr Okt 07 2016, 14:59

Singer lachte schmutzig genug, um einen Schweinestall vergleichsweise sauber wirken zu lassen, dann hob er das Nodachi über seinen Kopf.
"Eruption!", schrie er und stieß die Klinge gerade in den Boden, woraufhin die Pflastersteine aus ihren Fugen sprangen und in einer sich ausbreitenden Hitzewelle zerschmolzen. Diese Welle raste in einer gerade Linie auf die Spinne zu, welche in der engen Gasse nicht genug Platz hatte, um auszuweichen. Deshalb schoss sie einen Spinnfaden aus ihrem Hinterleib, um sich dran hochzuziehen. Doch die Hitzewelle war schneller und röstete das pechschwarze Fell der Spinne durch, ohne der Haut jedoch sichtbaren Schaden zuzufügen.
Singer verbarg seine Enttäuschung hinter einem verwegenen Lächeln.
"Nicht schlecht, Gideon! Nicht schlecht, das muss ich zugeben. Deine Verteidigung hat sich seit dem letzten Mal deutlich verbessert. Ich nehme an, die Brandnarbe hast du trotzdem noch auf dem Rücken."
Die Spinne malte wütend mit ihren Mundwerkzeugen, dann sprang sie auf Singer zu.
Dieser wich keinen Schritt von der Stelle, sondern holte mit dem Nodachi aus.
"Flaring Stalagmite!", brüllte er und stieß das Schwert in Richtung seines Widersachers. Das Nodachi glühte dabei so heftig, dass die Luft in unmittelbarer Nähe zur Klinge Feuer fing. Durch die Bewegung musste Singer einen Luftsog erzeugt haben, denn das Feuer hielt nicht mit der Klinge an, sondern pflanzte sich wie eine Ranke durch die Luft fort. Dieses Mal zeigte die Hitze Wirkung, denn die Spinne wurde von dem flammenden Speer zurückgeworfen und hinterließ dabei eine Rauchfahne in der Luft, die von der Stelle ausging, an dem ihr Körper von der Attacke getroffen worden war.
Tuncuri fiel auf, dass der gesamte Körper der Spinne schwarz glänzte, als hätte man ihn in ein Ölfass getaucht.
Das gewaltige Untier überschlug sich mehrfach nach der Landung und hinterließ etliche Krater im Pflaster der Straße, bevor sie zum Stehen kam. Sofort setzte Singer nach und sprang in die Luft.
"Apocalypse!" Bei der Landung senkte er das Nodachi mit der Spitze voran auf Gideon und als er den Brigadegeneral traf, gab es eine so heftige Explosion, dass die Häuserwände zu beiden Seiten nachgaben und barsten.
Tuncuri warf sich instinktiv auf den Bauch, mit den Füßen in Richtung der Explosion, und konnte die Welle aus Hitze und Druck spüren, die unmittelbar nach ihrer Landung über sie hinwegfegte wie ein brennender Hurricane.
Dem Krachen und Bersten nach zu urteilen mussten die Häuser im Umkreis mehrerer Straßen von der Druckwelle erfasst worden sein. Als Tuncuri sich erhob und umsah, war die Luft von Rauch und Staub getränkt, sodass sie keine fünf Meter weit sehen konnte. Doch als sich der Staub allmählich legte, erfassten ihre Augen das Ausmaß der Zerstörung: Singers Angriff hatte in einem Radius von sechs Häusern alles pulverisiert und selbst darüber hinaus noch verheerende Schäden angerichtet. Einige Gebäude hatten der Druckwelle standgehalten und lediglich die Fensterscheiben oder Teile der Fassade eingebüßt, andere waren einfach in sich zusammengebrochen. Darunter waren auch nicht wenige, die Feuer gefangen hatten. Die Leichen von Bürgern waren teilweise unter den Trümmern zu erkennen. Wieder andere Häuser hatten lediglich Teile ihres Mauerwerks eingebüßt oder nur einzelne Zimmer verloren.
Die Menschen weinten, schrien oder wimmerten vor sich hin. Manche hatten die Orientierung verloren und torkelten ziellos durch die Trümmerlandschaft, andere begannen sofort damit, nach ihren Liebsten zu suchen.
Und Tuncuri war wie paralysiert. Bilder, Geräusche und teilweise sogar Gerüche, die ihr Verstand bewusst verdrängt hatte, kamen wieder hoch und nahmen ihre gesamte Denkfähigkeit in Anspruch.
Es war wieder wie damals, vor drei Jahren, am Strand, als die Kanonenkugeln der Marine die Tavernen, Wohnhäuser und Handelskontore von Nevados Mismi zerstörten und Tuncuri sah sich wieder durch die mitternächtliche Trümmerlandschaft stolpern, auf der Suche nach ihren Eltern.
Sie durchlebte wieder den Tod ihrer Mutter und ohne es verhindern zu können, sank sie plötzlich auf die Knie und ihr Hals war wie zugeschnürt, sodass sie keine Luft mehr bekam.
Sie zwang sich, zu atmen und wehrte sich gegen den aufsteigenden Weinkrampf.
Sie durfte jetzt nicht die Kontrolle verlieren, sonst war sie geliefert.
Singer! Blitzschnell fuhr Tuncuri herum und beobachtete, wie ihr Mentor das Nodachi in seine Scheide zurückführte und sich erhob. Er schien leicht außer Atem zu sein als er ihr einen besorgten Blick zu warf, wie sie ihn noch nie bei ihm gesehen hatte.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Fr Okt 07 2016, 21:38

"Alles in Ordnung?", fragte Tuncuri mehr, um sich ein Bild von der Lage zu machen als aus Mitgefühl oder Besorgnis.
"Hat mich eine Menge Kraft gekostet aber ja, so weit geht's mir gut." Singer betrachtete den verkohlten Leichnam. Gideon hatte sich durch den Tod wieder in einen Menschen mit gewaltigem schwarzen Loch mit geborstenen Rändern im Torso verwandelt. Seine Augen waren verdampft und zwei qualmende Löcher starrten statt dieser aus seinem rußgeschwärzten Gesicht.
Tuncuri befürchtete fast, dass der Mann plötzlich einen tiefen Luftzug holen und aufspringen würde, weshalb sie den Blick schnell wieder abwendete.
"Die Marine wird kommen."
"Dann auf. In Mama Chinis Haus gibt es einen Eingang zur Kanalisation, in der sich unsere Klienten verstecken. Die werden bestimmt schon gespannt sein, dich persönlich zu treffen." Singer lachte wieder wie Tuncuri es von ihm gewohnt war, er fand also allmählich wieder zu seiner Kraft zurück.
"Ganz so leicht kommt ihr uns nicht davon!"
Tuncuri sah eine Gruppe von Marinesoldaten durch die Trümmer klettern, die auf sie zu eilten. Ohne großartig zu überlegen, zückte sie den Bogen und verteilte Pfeile so schnell sie konnte. Sie war es gewohnt, beim Jagen auf Herden zu treffen, bei denen es galt, so viele Tiere wie möglich zu erlegen, ehe alle die Flucht ergriffen hatten. Tuncuri hatte also sehr viel Erfahrung damit, auf viele bewegliche Ziele in kurzer Zeit präzise Schüsse abzugeben.
Die Soldaten fielen wie die Fliegen, noch ehe einer heran war.
"Ich gebe zu, ich unterschätze deine Bogenkünste noch immer", musste Singer einräumen und schenkte ihr ein anerkennendes Nicken. "Es kann trotzdem nicht schaden, zu wissen wie man mit dem Schwert umgeht. Dafür hast du ja eins."
"Das habe ich ja gerade erlebt."
"Diese Technik würde ich dich niemals lehren und du weißt auch warum", entgegnete Singer nun sichtlich schlecht gestimmt. "Und nun lass uns aufbrechen, ehe ein Admiral hier auftaucht."
Gemeinsam setzten die beiden über die Trümmer hinweg und wichen den Überlebenden dabei aus. Es war leichter, sich jetzt in den ehemals verwinkelten Gassen zu orientieren. Doch das Vorankommen wurde auch erschwert, da man nun über Hindernisse klettern musste, die vorher nicht da gewesen waren.
Auf ihrem Weg begegneten sie noch ein paar Soldaten, die jedoch zu beschäftigt damit waren, den Überlebenden zu helfen und Verschüttete zu bergen sowie das Abräumen der Trümmer zu koordinieren, um zwei Passanten zu beachten, die aus dem Epizentrum kamen.
Als sie wieder bei Mama Chini ankamen, hatte sie die Pfeife weggesteckt und hielt stattdessen einen Knüppel in den Wurstfingern.
"Mein Gott, wie siehst du denn aus?" Mama Chini nahm Singers Gesicht in ihre Hände und schaute ihm besorgt in die Augen. "Na komm erstmal rein, iss was und ruh dich aus." Mit einem Blick auf Tuncuri fügte sie hinzu: "Möchtest du auch was essen und trinken? Wir haben reichlich."
Tuncuri, die den Schock ihres Flashbacks noch nicht ganz überwunden hatte, nickte einfach nur apathisch und folgte Singer ins Haus. Mama Chini schien aus irgendeinem Grund exakt zu wissen, was vorgefallen war. Entweder das, oder sie stellte keine Fragen, deren Antworten Informationen enthielten, die sie unter Folter nicht preis geben wollte.
Woher Tuncuri diesen Verdacht nahm, konnte sie nicht wirklich benennen und ihr Kopf war noch zu voll mit der Verarbeitung der wieder wach gewordenen Erinnerungen, als dass sie jetzt die Konzentration gehabt hätte, um zu reflektieren.
Deshalb war sie einfach nur froh, als man sie nur fragte, was sie haben wollte und sie sagen konnte "Irgendwas richtig, richtig scharfes."
Dann ließ sie sich neben Singer auf ein Kissen in der zentralen Halle fallen und starrte in die Flammen, über denen sich noch immer die Spieße mit den Tierkadavern drehten. Es waren nicht mehr dieselben wie bei ihrem letzten Besuch, wie Tuncuri feststellte.
Crispy kam aus seiner Schmiede gelaufen. "Was hat da vorhin so geknallt? Bei uns haben die Wände gezittert!"
"Wir sind Gideon begegnet und ich habe die Gelegenheit genutzt, um dieses Problem ein für alle mal aus der Welt zu schaffen." Singer biss erschöpft, aber glücklich in seine Fleischkeule und spülte den Happen ohne zu kauen mit einem Maß Bier runter, ehe er erneut zubiss.
Crispy nickte nur. "Wurde Zeit, Eleanor hat sich schon Sorgen gemacht als sie hörte dass er wieder in der Stadt ist."
"Ja."
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Sa Okt 08 2016, 14:14

"Ist Eleanor meine Klientin?", fragte Tuncuri zwischen zwei großen Löffeln Chili con Carne.
"Sie ist ein Kopf der Hydra, die das kriminelle Netzwerk ist und hat Mama Chini ein Kopfgeld in Höhe von 20.000 Berry für den Henker geboten."
Tuncuri machte große Augen bei der Aussicht auf diese Summe, kaute jedoch gemütlich weiter.
"Es war Zeit, ein Zeichen zu setzen. Und wer traut sich schon, einen Henker während seiner Arbeit zu stören? Und dann auch noch bei einer Massenexekution?" Crispy warf Tuncuri einen Blick zu, bei dem sie sich nicht sicher war, ob er Angst vor ihr hatte oder ein aufsteigendes Verlangen unterdrücken musste.
Sie ließ sich davon nicht beeindrucken und beobachtete den schmächtigen Schmied beim Essen. Hinter der Maske hatte sich ein unerwartet hübsches Gesicht verborgen mit stechenden violetten Augen.
Crispy aß mit ihnen und verdrückte dabei ein Steak nach dem anderen, was im starken Widerspruch zu seiner dünnen Statur stand. Tuncuri konnte nicht fassen, was der drahtige Schmied alles in sich hinein stopfte, ehe er sich mit einem zufriedenen Lächeln zurücklehnte und an seinem Tee schlürfte.
Verwundert stellte Tuncuri fest, dass sie das Geräusch dieses Mal gar nicht störte. Vielleicht lag es an den Nachwirkungen des Flashbacks, über die Alternativen wollte die angehende Attentäterin lieber nicht nachdenken.
Als Tuncuri auch fertig war, goss sie sich ebenfalls Tee ein, an dem sie nachdenklich nippte, während sie Crispy Mal um Mal dabei ertappte, wie er sie beobachtete.
"Ist was?", fragte sie schließlich.
"Ach, ich hab mich nur gefragt-" Crispy unterbrach sich und schaute in seinen Tee.
Tuncuri behielt jede seiner Bewegungen im Auge. Wurde er rot im Gesicht?
"Nicht hier." Er erhob sich und bedeutete Tuncuri, ihm zu folgen, ehe er sich zur Schmiede begab.
Die Bogenschützin warf Singer einen fragenden Blick zu, doch der war eingeschlafen von dem ganzen Essen und Alkohol. Also erhob sie sich ebenso und folgte Crispy in die Schmiede.

"Ich habe mich gefragt, welche dieser Masken am ehesten zu dir passen würde", eröffnete der Blauhaarige rundheraus.
Tuncuri ahnte, dass dies längst nicht alles war, was ihm durch den Kopf gegangen war. Doch sie würde ihn nicht zwingen, sich ihr zu öffnen.
Crispy stand vor einer Wand an der hunderte von Masken hingen, die verschiedener nicht sein konnten. Nicht nur die schiere Anzahl beeindruckte Tuncuri, sondern vor allem die Vielfalt. Sie fragte sich, woher Crispy seine ganze Kreativität nahm und warf ihm bei dem Gedanken einen Blick zu.
Der Schmied schien das nicht zu bemerken, denn er war ganz und gar in seine Sammlung vertieft. Deshalb nahm Tuncuri sich die Zeit, ihn einige Herzschläge länger als gewollt zu beobachten, ehe sie sich ebenfalls wieder den Masken zu wandte.
"Es sollte eine sein, die den Leuten Angst macht, ohne jedoch hässlich oder grotesk zu wirken", sprach sie ihren Wunsch aus. "Eben eine, die zu mir passt."
"Mir machst du ehrlich gesagt keine Angst", gab Crispy stotternd von sich. Es war eine impulsive, ungeplante Reaktion, wie die Rotäugige erkannte.
"Ach, wirklich?"
"Ich merke natürlich schon, dass du dir alle Mühe gibst, unnahbar zu sein", beeilte er sich, ihr zu versichern. "Ich glaube allerdings, etwas hinter deiner Maske zu sehen, das du vor der Welt versteckst."
"Hat Chini dir das erzählt?"
Im Widerschein der Esse war es schwer, wenn nicht gar unmöglich, zu sagen, ob sich seine Gesichtsfarbe änderte, aber dem Ausdruck nach musste er sich ertappt fühlen.
Ohne nachzudenken, ergriff sie behutsam seine Hand. "Sie hat Recht. Ich verstecke meine Gefühle vor dem Rest der Welt. Vor allem aber vor mir selbst."
Die violetten Augen musterten Tuncuri nun ganz ungeniert und hafteten dabei etwas länger an ihren Lippen, als es schicklich war.
Und ohne das Gefühl genau benennen zu können, breitete sich eine Unruhe in ihr aus, die sie noch nie verspürt hatte. Es war keine besorgniserregende Unruhe, sondern eine euphorische Aufregung, die sie selbst nach einer Tötung nicht fühlte.


Zuletzt von Tuncuri Killki am Mo Okt 17 2016, 16:41 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   So Okt 09 2016, 15:16

Crispy räusperte sich. "Also, welche der Masken nehmen wir für dich?"
Tuncuri ließ seine Hand los, als sie merkte dass sein Griff locker gelassen hatte. "Die!"
Sie zeigte auf eine, die ihr gerade erst ins Auge gefallen war.



"Meinst du wirklich, dass die zu dir passt?"
Tuncuri nickte. "Wenn eine dieser Masken, dann diese."
Cripsy nahm die Maske vorsichtig von der Halterung und überprüfte, ob die Riemen noch saßen. Dann reichte er sie an die Attentäterin weiter.
Diese nahm die Maske mit einem schiefen Lächeln entgegen, das die Situation entspannen sollte, und wog das schwere Stück Metall in ihren Händen. Crispy wirkte dennoch weiterhin angespannt und es gelang ihm nicht, das Lächeln überzeugend zu erwidern, auch wenn er es versuchte.
Vorsichtig probierte Tuncuri die Maske an und stellte fest, dass man gar nicht mal so gut durch die Löcher sehen konnte. Dafür reichte das Gitter am Mund aus, um genug Luft zum Atmen durchzulassen. Sie verstellte die Riemen mehrmals, bis sie eine zufriedenstellende Mischung aus Bequemlichkeit und Festigkeit erreicht hatte.
"Ungewohnt", sagte sie und hört ihre Stimme im Metall widerhallen.
"Gefällt sie dir auch wenn du sie trägst noch?"
"Ja, die hier nehme ich." Sie setzte die Maske wieder ab und hängte sie an den Gürtel.
"Dann wird es Zeit, Eleanor zu besuchen, um dir die Bezahlung abzuholen." Mama Chini stand im Eingang und Tuncuri ärgerte sich, dass sie sie nicht kommen gehört hatte. "Irgendwie musst du das gute Stück ja bezahlen."
"Nein, ist schon gut", warf Crispy ein. "Du kannst die Maske umsonst haben. Immerhin hast du mir ja einen großen Gefallen damit getan, dass du den Henker erledigt hast."
Mama Chini sah ihn daraufhin mit einer Missbilligung an, dass Tuncuri unwillkürlich wieder nach seiner Hand griff, um ihm ihre Dankbarkeit zu versichern. Crispy drückte ihre Hand kurz, dann ließ er sie wieder los und verließ die Schmiede.
Als er beim Verlassen an Chini vorbei kam, rempelte er die dicke Frau so kräftig an, dass sie gegen den Türrahmen stieß. Tuncuri hob beeindruckt ob dieser Kraft die Augenbrauen, ehe sie sich selbst in Bewegung setzte.
Chini führte sie in einen der anderen Flügel des Gebäudes, wo eine Werkstatt untergebracht war, auf deren Werkbänken allerhand Waffen herumlagen. Teilweise konnte man sofort erkennen, was an den Waffen kaputt war, teilweise musste man raten. Die Arbeiter waren geschäftig dabei, die Waffen auseinander zu nehmen, zusammen zu setzen oder in den zahlreichen Kisten nach Werkzeugen und Ersatzteilen zu kramen. Alles in allem war es ein sehr geschäftiges Treiben, durch das Chini und Tuncuri sich vorsichtig zwängten und schlängelten, um niemanden anzurempeln.
Schließlich kamen sie an der Rückseite der Werkstatt an, die durch die ganzen Lampen deutlich besser beleuchtet war als die Schmiede, wo Chini eine falsche Wandplatte zur Seite schob und so eine Treppe freilegte, die in ungeahnte Tiefen führte.
"Ich passe da nicht durch, aber Eleanor wartet unten auf dich", erklärte Chini. "Einer ihrer Leibwächter wird dich am Ende des Flures abholen und zu ihr führen."
Tuncuri konnte es nicht genau benennen, aber etwas störte sie an Chinis Körperhaltung. Die Bogenschützin trat einen Schritt auf die dicke Frau zu, die einen Kopf kleiner war und somit gezwungen war, den Kopf in den Nacken zu legen, um zu ihr aufzublicken. Die karmesinroten Augen bohrten sich durch Chinis Blick und Tuncuri kam nicht umhin, sich einzugestehen, dass sie es genoss, ihrem Gegenüber Angst zu machen. Doch warum sollte Chini Angst vor ihr haben? Was verbarg sie, das so schlimm war, dass sie um ihr Wohl fürchtete, sollte Tuncuri dahinter kommen?
Impulsiv packte sie die Fette an den Schultern und drehte sie so, dass sie mit dem Rücken in Richtung der Treppe stand. Dann verpasste sie der Frau einen Tritt mit ganzer Kraft in den Bauch.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Di Okt 11 2016, 10:57

Chini hatte natürlich übertrieben.
Sie passte problemlos die Treppe runter.
Tuncuri folgte ihr und als sie unten angekommen waren, setzte sie der Dicken einen Fuß auf die Kehle, ehe sie ihren Blick durch das dunkle Gewölbe schweifen ließ.
Hier unten stapelten sich Fässer und Kisten zwischen Regalen und Käfigen.
In einigen Käfigen saßen Kreaturen gefangen, die lethargisch vor sich hin vegetierten, in anderen Menschen, Meerjungfrauen und Fischmenschen, die sich flüsternd unterhielten.
Keine Wärter, keine Leibwächter.
"Jetzt schuldest du mir aber 'ne Erklärung", raunte Tuncuri und zog langsam das Katana von ihrem Rücken. Auf diese kurze Entfernung war der Bogen ohnehin zu unhandlich und ihrem Körper allein traute Tuncuri nicht die beabsichtigte drohende Wirkung zu.
"Eleanor ist gar nicht hier", beeilte sich die Fette zu erklären. "Du findest sie am Marktplatz im Hôtel Rien Comprenu."
Tuncuri lachte freudlos auf, wobei sich ihr linker Mundwinkel leicht anhob, dann setzte sie der Frau die Spitze des Katanas an die Kehle.
"Wusste Singer, dass du mich in eine Falle locken wolltest?" Tuncuris bohrender Blick ließ ihre karmesinroten Augen im Fackelschein einen Ton satter glühen.
"Singer sollte selbst hier unten landen, sobald wir dich hätten." Dem erschrockenen Gesichtsausdruck nach zu urteilen, konnte sich Chini selbst nicht erklären, warum sie ihr das verriet.
"Du bist nicht mehr dieselbe wie die, die Singer in Erinnerung hat", stellte Tuncuri trocken fest und ritzte mit der Klingenspitze eines ihrer vielen Kinns oberflächlich an, um die Ernsthaftigkeit ihres Tuns zu untermalen. Aber auch, weil sie es genoss, dieser in ihren Augen verabscheuungswürdigen Kreatur, die ein Mensch sein wollte, Leid zuzufügen.
Die kleine Geste zeigte Wirkung, denn der Schweißausbruch auf Chinis Haut verstärkte sich durch einen neuerlichen Schub.
"Man muss halt mit der Zeit gehen", erklärte Chini mit einer heuchlerischen Unschuld und einem komplett gescheiterten Lächeln. Tuncuris Augen traten daraufhin für einen kurzen Augenblick einen Millimeter weiter aus ihren Höhlen.
"Ich will mich nicht über dich stellen, Chini, da ich mein Geld auch nicht viel sauberer verdiene", holte Tuncuri in einem seltenen Anflug von Großmut aus, "aber Sklaverei ist jetzt nicht gerade ein Lebensumstand, den ich mir gut für mich vorstellen könnte. Meinst du nicht auch, dass ich ein wenig überqualifiziert dafür bin, den Rest meiner Tage in Ketten zu verbringen und neben der Arbeit nur noch fürs Beine Breitmachen gut zu sein?" Tuncuri nickte bei letzterem herausfordernd.
"Deine Fähigkeiten als Attentäterin könnten mir tatsächlich noch von großem Nutzen sein", stimmte Chini zu, wobei Tuncuri zunächst nicht zu sagen vermochte, ob sie log oder einfach nur nervös war, "vielleicht habe ich dich unterschätzt."
Die eigentliche Bogenschützin hätte lachen können über diesen erbärmlichen Versuch, die eigene Haut noch zu retten.
"Netter Versuch, Chini. Mach's gut."
"Warte!", schrie Chini verzweifelt. "Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?"
Das Katana, dessen Spitze nur einen Haarbreit von der Innenseite von ihrem rechten Stiefel entfernt auf dem Zentrum von Chinis Kehle gesessen hatte, wurde nun langsam nach unten gedrückt, wobei erst nur einige wenige Spritzer, dann jedoch ganze Rinnsale an Blut aus der Wunde traten. Das Katana war so scharf, dass selbst der Knochen der Klinge nichts entgegen zu setzen hatte. Dennoch ging Tuncuri so langsam dabei vor, dass beiden Frauen der Moment vom Eintreten der Klinge auf der einen Seite bis zum Austreten auf der gegenüber liegenden, wie mehrere Minuten vorkam, auch wenn nur wenige Herzschläge vergangen waren.
Als die Spitze auf das Gestein des Kellerbodens traf, zog Tuncuri die Klinge in einem Ruck wieder raus, dem eine Fontäne aus Blut folgte.
Damit nahm Tuncuri ihr den Fuß vom Hals und ließ sie gurgelnd und an ihrem eigenen Blut ertrinkend auf dem steinigen, kalten Boden des Kellers zurück, während sie wieder nach oben ging und die aufkommenden Hilferufe der Gefangenen ignorierte.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Mi Okt 12 2016, 13:13

"Ach du heilige Scheiße!"
Tuncuri drehte sich zu Crispy.
"Was soll denn der Lärm?" Singer öffnete verärgert über die Störung die Augen.
"Du wusstest es, oder?" Tuncuri konnte den Schmerz in ihrer Stimme nicht unterdrücken und wollte das auch gar nicht. Crispy setzte zu einer Antwort an, doch brachte er keinen Ton hervor.
"Du wusstest es!" Tuncuri stand auf und trat auf den schmächtigen Schmied zu, der jedoch nicht zurückwich.
"Ich hätte dich ja gewarnt, aber dann wäre ich aus der Crew geflogen",versuchte er sich zu verteidigen. "Eleanor lässt Verräter von ihren besten Attentätern zur Strecke bringen!"
"Weißt du, was? Vergiss es einfach." Die junge Bogenschützin wollte ihn eigentlich ohrfeigen, aber plötzlich fühlte sie keine Wut mehr, sondern nur noch Kummer.
"Darf ich auch mal erfahren, wovon die Rede ist?" Singer stand nun hinter Tuncuri.
"Chini wollte mich in eine Falle locken, um mich als Sklavin zu verkaufen."
Singer lachte dreckig auf. "Das sieht ihr ähnlich!"
Crispy und Tuncuri sahen ihn verständnislos an.
"Sagt bloß, ihr dachtet, ich hätte das nicht mitbekommen", lachte Singer und war endgültig wieder ganz der Alte. "Eleanor hat da so was angedeutet von einer neuen Einnahmequelle, die Chini vor drei Jahren entdeckt haben will. Chini ist übrigens selbst eine ehemalige Sklavin, falls ihr das noch nicht wusstet. Darum kennt sie das Geschäft in- und auswendig."
"Tja, die Belohnung kann ich mir jetzt schenken", stieß Tuncuri wütend aus.
"Ach, rede noch mal mit Chi-" Singer unterbrach sich, als er das Blut auf Tuncuris Kleidung bemerkte. "Ach, darüber hat sich Crispy so aufgeregt!" Singer lachte schmutzig auf und klatschte sich in die Hände. "Mensch, der Tag wird ja immer besser!"
"Hast du sie getötet?", erkundigte sich der Erwähnte mit jener Tonlage, an der man erkannte, dass er die Antwort auf seine Frage bereits wusste.
Dennoch nickte Tuncuri ohne ihn anzusehen.
"Auch wenn ich Chini schon lange kenne und ihr viel zu verdanken habe, möchte ich, dass du weißt, dass ich trotzdem noch hinter dir stehe", sagte Crispy mit eindringlicher Stimme und legte dabei den Kopf schief, um besser in Tuncuris Augen sehen zu können.
Sie gab ein sarkastisches Schnauben von sich. "Wenn hier einer von uns dem anderen zu verzeihen hat, dann bin ja wohl ich das!"
Crispy schluckte hart und nickte. "ich werde mein Bestes geben, um das zu ermöglichen."
Tuncuri spürte, wie sich ihre Kehle zuschnürte, als sie der Zuneigung in seiner Stimme gewahr wurde. Es war weniger der Verrat an sich, der ihr zu schaffen machte als vielmehr die Tatsache, dass ein Mensch, dem sie offenbar sehr am Herzen lag, dazu in der Lage war, sie zu verraten.
Und natürlich war sie verletzt, weil sie sich wider besseren Wissens nicht gegen ihr Herz durchgesetzt hatte.
In Zukunft würde sie wieder verstärkt auf ihren Verstand hören.
"Eleanor wird nicht erfreut sein, aber", unterbrach Singer die peinliche Stille, "und das wird dich jetzt überraschen: Sie hat tatsächlich kein Problem damit, wenn sich die einzelnen Organe in ihrem Netzwerk neu strukturieren und organisieren. Wenn du ihr zeigst, dass du ihr gegenüber weiterhin loyal bist, wird sie dir trotzdem die Belohnung auszahlen und den Leichnam verschwinden lassen."
"Singer hat Recht", stimmte Crispy zu, "aber viel wichtiger ist noch, dass du noch nicht offiziell Teil des Netzwerks bist. Sonst hätte Chini selbst dafür gerade stehen müssen, dich verschwinden zu lassen. Du kannst ihren Platz haben."
"Nein, danke", entgegnete Tuncuri angewidert. "Ich will kein Teil des Netzwerks werden."
"Vielleicht nimmt sie ja mich, hyähyähyä!" Singer grinste die beiden breit an.
"Lass uns erst mal zu ihr gehen und ihr die Sache erklären", schlug der Blauhaarige vor. "Je eher sie davon erfährt, desto besser. Und wenn sie es direkt von dir erfährt, zeigst du damit eine Courage, die sie zu schätzen weiß."
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Fr Okt 14 2016, 12:23

"Chini, ja?" Eleanor war unglaublich groß für eine Frau, sodass Tuncuri zu ihr aufsehen musste. Sie war bei weitem nicht so groß wie der Halbriese Singer, aber größer als Gideon und Crispy war sie allemal. "Ich hätte damit rechnen müssen, dass die Sklavengeschichte ihr irgendwann über den Kopf wächst..." Die Kriminelle zupfte an ihrem Schlapphut, der einen so großen Schatten auf ihr Gesicht warf, dass Tuncuri es beim besten Willen nicht erkennen konnte, was jedoch auch an dem Gegenlicht lag, denn Eleanor hatte es sich auf einer gewaltigen Couch am Fenster bequem gemacht, sodass ihr das einfallende Sonnenlicht auf den Rücken schien und Tuncuri die Augen zusammenkneifen musste, um sie anzusehen.
Besonders bequem hatte sie es allerdings auch nicht, denn ihre Leibwächter hatten Tuncuri sofort entwaffnet, zu zweit gepackt und auf die Knie gezwungen, als sie Chinis Ermordung gestanden hatte.
Nun waren ihre Arme in einem schmerzhaften Winkel nach hinten gestreckt und in den Armen von zwei muskulösen Kerlen, die einen unangenehmen Geruch verströmten, von dem Tuncuri hoffte, dass er nicht auf sie abfärbte.
"Hast du die Sklaven befreit?" Eleanors Blick, auch wenn Tuncuri ihre Augen in den Schatten nicht erkennen konnte, legte sich auf sie wie eine Henkersaxt auf den Nacken eines Verurteilten.
"Welchen Grund hätte ich dazu gehabt?", erwiderte die Attentäterin zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor.
"Uh, spielen wir hier die Mitleidlose?" Eleanor schnalzte mit der Zunge. "Gut, mir egal. Singer?"
"Gnädigste?" Der Angesprochene verbeugte sich so tief, dass er fast auf Augenhöhe mit Tuncuri war und sie konnte in seinen Augen ein das gierige Aufblitzen eines Opportunisten sehen. Dass er wie immer schmutzig lächelte, verstärkte diesen Eindruck nur.
"Wer ist sie?"
"Überlebende eines Buster Calls, die ich mit dem Handwerk des Attentates vertraut gemacht habe", erklärte der Schwertkämpfer bereitwillig und mit einem Unterton in der Stimme, den Tuncuri nur von Kaufleuten kannte, die die Vorzüge ihrer Waren erklären wollten.
Sie schnaubte angewidert.
"Buster Call, ja?", fragte Eleanor mit sichtlich gewecktem Interesse. Irgendwas in ihrer Körperhaltung veranlasste die beiden Raufbolde dazu, Tuncuri los zu lassen, die sich daraufhin auf ihre Füße begab und ihre Schultern ein paar mal kreisen ließ.
"Aus welchem Blue kommst du, Schöne?", erkundigte Eleanor sich.
"South", gab Tuncuri knapp von sich, während sie sich fragte, wie Eleanor zu dieser Bezeichnung kam.
"Wann war der Buster Call?", bohrte die Kriminelle weiter.
"Vor drei Jahren."
"Wie konntest du ihn überleben?"
"Ein Kopfgeldjäger namens Buck Fring hat mich gerettet."
"Du hast Buck gekannt?" Eleanor nahm die Beine von der Sessellehne runter und stand auf. Sie trug ein elegantes, eng anliegendes mitternachtsblaues Kleid, das ihr bis zu den Knien reichte.
"Jetzt bin ich aber gespannt."
Tuncuri begann knapp von Nevado Mismi zu erzählen, doch Eleanor unterbrach sie augenblicklich, als die Bogenschützin den Namen der Insel aussprach.
"War deine Mutter Peach Stroke?"
"Woher wisst Ihr das?"
"Sie war meine Stellvertreterin auf der Insel und hat mir in einem ihrer Briefe von dir erzählt."
Tuncuri war sprachlos und starrte die Frau mit offenem Mund an, als wäre sie eine Fleisch gewordene Göttin.
"Was ist aus Buck geworden?", setzte Eleanor nach einem Moment der Stille wieder an.
"Als er mich gerettet hat, hatte er bereits eine tödliche Wunde erlitten", erinnerte sich die Attentäterin. "Ich habe ihn in den Tiefen des Dschungels zum Sterben zurückgelassen."
Tuncuri holte die Flöte aus ihrem Gürtel hervor. "Die hat er mir geschenkt."
Eleanor sank auf die Couch zurück, als sie das Holzblasinstrument sah. Ihre Stimme war nun melancholisch vor Nostalgie.
"Die hatte ich ihm zu seinem 14ten Geburtstag geschenkt."
Tuncuri streckte ihr unwillkürlich die Flöte hin, doch Eleanor schüttelte nur langsam den Kopf.
"Er wollte, dass du sie hast."
"War Buck Ihr Sohn?", fragte Tuncuri das Offensichtliche, woraufhin sie ein bedächtiges Nicken erhielt.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Sa Okt 15 2016, 03:46

"So schließt sich also der Kreis", flüsterte Eleanor gedankenverloren. Dann straffte sie sich und sah Singer aus dem Schatten ihres Hutes an. "Ich nehme an, dass du nur hier bist, um Chinis Posten zu übernehmen?"
"Du kennst mich einfach zu gut, meine Teure", wich der Kopfgeldjäger mit einem galanten Lächeln aus.
"Ein Monat Bewährungszeit", willigte Eleanor mit einem strengen Unterton ein.
Tuncuri fragte sich spontan, ob die Frau eine multiple Persönlichkeitsstörung hatte, verwarf den Gedanken allerdings sofort wieder. Sie kannte schließlich ihre eigene Selbstbeherrschung, warum sollte die Anführerin eines globalen Netzwerks ihr da in irgendeiner Weise nachstehen?
"Und du, meine Hübsche", wandte sie sich auch sogleich an die junge Bogenschützin, die sich mit der Bezeichnung noch immer nicht anfreunden konnte, "Kannst gehen, wohin immer du willst. Falls du jemals Hilfe oder Zuflucht benötigst, kannst du dich an mich wenden. Glaub allerdings nicht, dass ich dir das nichts kosten lassen werde - unabhängig davon, was mich mit Peach verbunden haben möge."
Tuncuri nickte einfach nur und fragte sich, was genau das sein mochte.
Falls es jedoch jemals von Belang sein sollte, würde Eleanor sie einweihen.
Oder ging die große Frau tatsächlich davon aus, dass Tuncuri das längst wusste?
""Ich gehe dann mal meinen neuen Pflichten nach und empfehle mich", wollte Singer sich aus dem Staub machen.
"Wenn du einen Fehler machst, kannst du wieder an meinen Stiefeln lecken für Spezialaufträge!", warnte Eleanor den Halbriesen, der schon halb durch die Tür war.
"Werde ich nicht", war sich dieser jedoch sicher und verließ den Salon nun doch.
"Hey", meldete sich Crispy nun auch und berührte Tuncuri dabei vorsichtig an der Schulter, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.
"Was hast du?" Die dunkelhaarige Attentäterin hatte ihm noch nicht verziehen, doch sie wollte ihm, auch wenn sie es sich selbst nicht erklären konnte, eine Chance geben, sich ihr Vertrauen zurück zu verdienen.
"Dasselbe gilt natürlich auch für mich", versicherte er und versuchte ein Lächeln.
"Ich weiß", entgegnete sie trocken. "Und ich werde drauf zurück kommen."
"Schön."
"Crispy, was ist zwischen euch vorgefallen?", erkundigte Eleanor sich nun, die in ihrem eigenen Salon nicht zur Randfigur verkommen wollte.
"Ich hab sie nicht vor Chinis Falle gewarnt", erkärte der Angesprochene nüchtern.
"Warum hast du das nicht getan?"
"Aus Angst vor Sanktionen."
"Du konntest es nicht wissen, aber in diesem Fall hätten dir ausnahmsweise ohnehin keine gedroht."
Der Schmied starrte seine Anführerin ungläubig an, erinnerte sich jedoch an das, was die beiden Frauen gerade ausgetauscht hatten und nickte einfach nur.
"Da wir gerade davon sprechen...", setzte Tuncuri nun an, die ihre Angst vor Eleanor im Verlauf des Gesprächs recht leicht überwunden hatte. "Chini meinte, die Tötung des Henkers sei  ein Sonderauftrag gewesen."
"Du möchtest dafür bezahlt werden", erschloss Eleanor sich. "Und das nicht zu knapp."
"Naja, ich habe den Auftrag in dem Glauben ausgeführt, dass dies das Resultat ist", gab Tuncuri unumwunden zu.
"Die Bezahlung steht dir auch zu", gestand Eleanor ihr großmütig zu. ""Und Singer sollte für die Tötung des Brigadegenerals Gideon belohnt werden."
"Wie hoch ist der Preis, der auf den Kopf des Henkers ausgesetzt war?"
"Mh, saftige 20.000 Berry." Damit gab Eleanor einem ihrer zahlreichen Leibwächter ein knappes Handzeichen, worauf dieser den Raum verließ.
"Aber warum sollten unsere Geschäftsbeziehungen hier enden?", fragte Eleanor und beugte sich vor.
"Wenn da noch mehr Blut zu vergießen ist, sehe ich dafür keinen Grund", erwiderte Tuncuri in unverblümter Ehrlichkeit.
"Ich hatte gehofft, dass du hinter dem Geld her wärst", gestand Eleanor ein wenig pikiert.
"Das ist das, was deine Klienten auch glauben werden", versicherte die Rotäugige ihr und erntete ein anerkennendes Nicken.
Der Leibwächter kehrte wieder mit einem Koffer, den er auf dem Glastisch vor Eleanor abstellte, öffnete und den Deckel nach oben schob. Dann nahm er einige Bündel an Berrys heraus und legte sie daneben auf die dünne Glasplatte, ehe er den Deckel schloss, den Koffer wieder verschloss und damit aus dem Raum verschwand.
Tuncuri betrachtete den Haufen Geld, von dem sie noch immer nicht glauben konnte, dass er ihr gehören sollte.
Es kam ihr unwirklich vor, dass ein Mensch eine so große Menge Geld besitzen sollte.
"Brauchst du einen Beutel, Schöne?", fragte Eleanor ironisch, die den Blick in den karmesinfarbenen Augen der Bogenschützin genau richtig gedeutet hatte.
"Wie bin ich denn hübsch?", entgegnete Tuncuri stattdessen, die nun doch nachhaken musste, was es damit auf sich hatte, dass Eleanor sie immer wieder so nannte.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Sa Okt 15 2016, 19:05

"Du glaubst, deine Brandnarbe würde dich hässlich machen, ja?", fragte Eleanor besänftigend.
Tuncuri wusste nicht, was sie erwidern sollte. Sie wollte nicht ins Detail gehen, aber Eleanor hatte nur an der Oberfläche der Wahrheit gekratzt.
"Was glaubst du wohl, würde Crispy tun, um dir nahe zu sein?" Die Kriminelle in dem engen Kleid erhob sich und kam um den Glastisch herum.
Der Schmied errötete und schaute peinlich berührt auf seine Füße.
Tuncuri betrachtete ihn unwillkürlich, ehe sie sich wieder Eleanor zu wandte. "Das kann ich nicht sagen."
"Kannst du dir vorstellen, wie viele Männer mir zu Füßen liegen?" Die Frage war rhetorischer Natur, weshalb Tuncuri nicht antwortete. Doch Eleanor nahm ihren Hut vorsichtig ab, sodass ihr hochgestecktes, kirschblütenfarbenes Haar sichtbar wurde und als sie den Hut senkte, auch ein Paar smaragdgrüner Augen. "Ich erkenne Schönheit, wenn ich sie sehe."
Die Schwarzhaarige wich mit dem Oberkörper ein Stück zurück, als Eleanor nach ihr griff und ihr eine Hand in den Nacken legte. Dabei begann es überall auf Tuncuris Haut zu kribbeln. Sie konnte ihren Blick nicht von den stechenden Augen abwenden, die ihren Blick ebenfalls fixiert hatten.
"Merkst du, was ich gerade tue?", fragte Eleanor und ihre Stimme war plötzlich so nah und samt, als würde sie Tuncuri direkt ins Ohr flüstern.
Ihre Finger gruben sich in das Haar der Attentäterin und sorgten dafür, dass Tuncuris Rücken ein warmer Schauer hinab rieselte.
Sie konnte und wollte sich nicht mehr bewegen, denn ihre gesamten Gedanken wurden von Eleanor eingenommen.
Sie hatte volle Kontrolle über jede von Tuncuris Bewegungen.
Wie in Trance lehnte sie sich nach vorne, als Eleanor ihr plötzlich eine Hand auf die Brust legte und sie wieder zurück schob. Dann begab sie sich zurück auf ihre Couch und setzte den großen Hut wieder auf.
Vorbei war die brennende Lähmung, die von der Bogenschützin Besitz ergriffen hatte und sie fand allmählich wieder zurück in den Salon, wurde sich der Leibwächter und Crispy bewusst, die das ganze schweigend beobachtet hatten.
Und peinlich berührt erkannte Tuncuri, dass Eleanor sie gerade verführt hatte. Ohne etwas zu sagen, hatte sie die Kopfgeldjägerin dazu gebracht, die Kriminelle küssen zu wollen.
Und noch mehr.
Entsprechend senkte sie den Blick, wie Crispy es zuvor getan hatte.
Ihre Gedanken kreisten mit Lichtgeschwindigkeit fliegend durch ihren Kopf, keiner ließ sich festhalten.
Das Chaos schien kein Ende nehmen zu wollen.
"Schäm dich nicht dafür, was du gerade gefühlt hast.", drang die Stimme des Objekts ihrer Begierde in Tuncuris Ohr. "So ergeht es jedem, der zu lange in meine Augen schaut."
Tuncuri merkte, dass sie ihre Hände so kräftig zu Fäusten geschlossen hatte, dass ihre Fingernägel tiefe rote Abdrücke in ihrer Handfläche hinterließen, als sie sich zwang, diese zu entspannen.
Eleanors Gesicht lag wieder im Schatten, doch Tuncuri spürte ihren Blick auf sich ruhen.
Und plötzlich traf sie die Erkenntnis wie ein Schlag.
"Was für eine Teufelsfrucht hast du gegessen?", fragte sie, noch immer unter dem Schock stehend.
"Ich bin erstaunt", gab Eleanor mit einem hörbaren Grinsen zu, "die meisten brauchen wesentlich länger, um dahinter zu kommen, geschweige denn es überhaupt zu erkennen. Aber du hast Recht. Ich habe von der Succubus-Frucht gegessen. Der Grund, aus dem ich diesen Hut trage ist ziemlich nahe liegend: Ich kann diese Kraft nicht kontrollieren, weil sie selbst passiv so mächtig ist."
"Kann man sich dagegen wehren?"
"Zumindest ist mir bisher noch keiner begegnet, der das geschafft hat."
"Wie kann es sein, dass es selbst bei mir wirkt? Ich bin doch gar nicht-" Tuncuri biss sich auf die Lippe.
"Lesbisch? Nein, keine Sorge. Ich weiß es selbst nicht, wie ich gestehen muss."
"Es ist der Grund, aus dem sie bisher noch nie verraten worden ist", meldete sich nun Crispy zu Wort. Tuncuri schenkte dem schmächtigen Schmied einen aufmerksamen Blick.
"Heißt das, ich stehe ab jetzt für immer unter ihrem Bann?", fragte sie entsetzt.
"Solange, wie ich lebe", bestätigte Eleanor.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   So Okt 16 2016, 15:53

Gemeinsam verließen Crispy und Tuncuri den Salon und nahmen die breite Treppe hinab ins Foyer, wo in der geschäftigen Menge bereits ihr Kontakt wartete.
Der Mann trug einfache Kleidung und hatte weder eine eindrucksvolle Statur noch war er bewaffnet.
Wenn Tuncuri ihn hätte töten müssen, hätte er keinen ernsthaften Widerstand geboten.
Er hielt einen Briefumschlag in den Händen, den er Tuncuri gab, ehe er grußlos in der Menge verschwand.
"Kennst du den?", fragte die Attentäterin ihren Begleiter.
"Nein, Eleanor unterhält ein riesiges Netz aus Boten", erwiderte dieser. "Man bekommt niemals denselben zu Gesicht."
Tuncuri öffnete den Umschlag, als sie das Hôtel Rien Comprenu verließen und holte einen Steckbrief hervor.
"Ein Maat?", fragte Tuncuri enttäuscht.
"Du findest mich in der Schmiede, solltest du irgendwas brauchen", verabschiedete Crispy sich.
Die Bogenschützin schenkte ihm ein Nicken, ehe sie den Steckbrief zusammenrollte und in ihrem Gürtel verstaute. Den Umschlag ließ sie einfach beim Gehen fallen als sie sich auf den Weg machte.
Der Maat war laut Beschreibung gerade im Hafen und hielt sich entweder in einer Taverne oder an den Docks auf.
Tuncuri war es recht, sie würde sich ein Dach suchen und ihm einen gefiederten Gruß in den Rücken schicken.

Sie erreichte den Hafen trotz der dichten Menschenmenge sehr schnell, indem sie in einer leeren Gasse die Fassade empor kletterte und den Weg über die Dächer zurück legte.
Die Taverne war ihr erstes Ziel, auch wenn es der denkbar ungünstigste Ort war, um eine Person ungesehen auszuschalten.
Für den Notfall hatte sie ja die Maske dabei.
Das Gebäude war mehr als baufällig und der Schankraum war mit abgenutzten Möbeln ausgestattet. Dennoch ging sie zum Wirt herüber.
"Zählt zu Ihren Gästen ein Maat namens Luke?", erkundigte sie sich ohne Umschweife.
"Wer will das wissen?", fragte eine Stimme aus dem Schankraum, der Wirt ignorierte sie entsprechend.
Tuncuri fuhr herum und erblickte in einer dunklen Ecke auf Höhe des Eingangs einen Marinesoldaten mit Glatze und Vollbart, der ein Bier und eine Schüssel Eintopf vor sich stehen hatte.
"Ihr Leben ist in Gefahr!", improvisierte Tuncuri.
"Erzähl mir was neues", entgegnete der Maat unbeeindruckt und argwöhnisch.
"Jemand hat einen Preis auf Euren Kopf ausgesetzt", erklärte Tuncuri und holte den Steckbrief hervor.
Der Maat richtete sich plötzlich auf, stand jedoch noch nicht vom Hocker auf.
"Ach, tatsächlich?", fragte er nun mit sichtlich verdächtigem Unterton. "Und wo hast du diesen Steckbrief her?"
Tuncuri wusste auf die Schnelle keine Lüge und ihr Zögern entlarvte sie.
Während sich der Maat von seinem Stuhl erhob, ließ sie deshalb ihren Blick durch den Schankraum schweifen, nur um festzustellen, dass außer den beiden niemand sonst da war.
Bei dem Zustand des Gebäudes und dessen Einrichtung wunderte sie das auch nicht.
"Du bist verhaftet, Kleine", erklärte der Maat. "Solltest du Gegenwehr leisten, werde ich dir sehr, sehr weh tun."
Tuncuri setzte blitzschnell die Maske auf und zog das Katana.
Wie sie es hasste, dass sie ihren Bogen nicht benutzen konnte! Aber wenigstens hatte sie einen guten Trainer gehabt, denn der hatte erst vor wenigen Stunden einen Brigadegeneral der lokalen Armee zur Strecke gebracht.
Der Schankwirt setzte sich ebenfalls in Bewegung und holte ein Gewehr unter dem Tresen hervor, welches er sogleich auf Munition überprüfte und anlegte.
Tuncuri stellte erstaunt fest, dass die Waffe ein Trommelmagazin hatte, wie sie es von Revolvern kannte.
Der Maat unterdessen hatte seinen Säbel gezückt.
"Wir teilen uns das Kopfgeld, ja?", fragte der Wirt und zielte überraschenderweise auf seinen einzigen Gast anstatt auf Tuncuri.
Diese nickte einfach nur, auch wenn sie nicht die geringste Absicht hatte, diesen Augenzeugen am Leben zu lassen.
Der Maat trat einen der Tische um duckte sich dahinter, doch die Kugel des Wirts ging einfach durch das Holz hindurch und so hörte Tuncuri den Mann laut aufschreien, ehe er hinter der Deckung hervor kam und im Zickzack auf die Kopfgeldjägerin zustürmte, sodass der Wirt kein klares Schussfeld mehr hatte.
Lediglich ihren Reflexen war es zu verdanken, dass Tuncuri dem ersten Schlag ausweichen konnte.
Bei der Stärke des Maats hätte sie nicht im Traum daran gedacht, zu blocken.
Dieser brachte sich jedoch in eine unvorteilhafte Position, denn da der Hieb ins Leere ging, war sein Ziel nun nicht mehr in Reichweite - das Katana war jedoch deutlich länger als das Säbel und so nutzte Tuncuri die fehlende Deckung ihres Widersachers aus und verpasste ihm eine Schnittwunde am Bauch.
Als hätte der Wirt nur darauf gewartet, schoss er dem Maat in die Seite als der unter dem Schmerz des Hiebes zusammenzuckte.
Nun ging der Mann endgültig in die Knie und Tuncuri trennte seinen Schwertarm mit einem gezielten Hieb vom Körper.
Der Mann konnte jetzt nicht mehr gerettet werden, denn selbst die beste medizinische Versorgung der Welt war nicht in der Lage, diese Blutung zu stoppen. Wie ein Wasserfall ergoss sich das Blut aus dem Stumpf und tränkte das Holz unter dem Maat.
Dennoch ging die Attentäterin keine Risiken ein und schlug auch den Kopf ab.
Der Wirt senkte sein Gewehr und nickte ihr zu.
Hätte er den Blick in ihren Augen richtig gedeutet, hätte er stattdessen auf Tuncuri geschossen.
Denn die steckte ihr Katana jetzt weg und setzte mit einer Hand über den Tresen.
Als sie neben dem Wirt stand, nahm sie sich eine Flasche, die sie ihm blitzschnell über den Schädel zog und als der Mann ins Taumeln geriet entwaffnete sie ihn. Das Gewehr richtete sie auf seinen Hals und drückte ab.
Eine Blutfontäne folgte der Kugel als diese aus dem Nacken austrat und besudelte Tresen, Boden, Wand und Decke.
Der Mann brach zusammen, doch die Schüsse mussten gehört worden sein, weshalb Tuncuri schnell wieder über den Tresen setzte und den Kopf des Maats aufhob, ehe sie aus dem Schankraum rannte.
Direkt in die Arme der angerückten Marinesoldaten.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Mo Okt 17 2016, 16:33

Ein schneller Blick verriet ihr, dass unter den Soldaten kein Offizier war, was sie erstmal beruhigte. Dennoch würde sie mit 50 Soldaten ganz schöne Schwierigkeiten bekommen, auch wenn diese sich gegenseitig in den engen Gassen des Hafens blockieren würden.
Sie war froh, dass sie ihre Maske noch trug, doch jetzt musste sie erstmal fliehen.
Mit einem raschen Radschlag wich sie den Kugeln ihrer Gegner aus und brachte sich auf die andere Straßenseite, wo sie im Schutz einer Gasse Deckung suchte.
Den Kopf des Maats verstaute sie fix im Beutel am Gürtel, ehe sie den Bogen sowie drei Pfeile zückte, die sie auf die Sehne legte. Ohne die Sehne zu spannen, ging sie rückwärts, während schon die ersten Soldaten im Eingang der Gasse aufkreuzten.
Blitzschnell drehte sie den Bogen von vertikal auf horizontal, zog die Sehne zurück und ließ die drei Pfeile davon gehen. Sie fanden ihre Ziele, waren jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
So schnell sie konnte, legte sie weitere Pfeile nach, wodurch der Ansturm der Soldaten ins Stocken geriet, als diese gegen ihre umfallenden Kameraden stießen. Das schnelle Schießen kostete sie etwas Ausdauer, sodass ihr Puls nicht mehr zur Ruhe kam. Als sie zufrieden feststellte, dass die Soldaten fest saßen, drehte sie um und rannte um die nächste Ecke, wo sie wieder an der Fassade empor kletterte, bis sie ein offenes Fenster erreichte, wo sie kurzerhand ohne zu überlegen hinein kletterte.
Das Fenster führte zu einer Küche, in der eine Familie mitsamt einem Soldaten in Zivil am Tisch zu Mittag aß.
Der Soldat sprang blitzschnell auf und griff eines der Fleischmesser, das er sofort auf Tuncuri richtete.
Diese war unbewaffnet und hob deshalb die Hände.
"Sofort wieder raus hier!", brüllte der Soldat und seine Kinder starrten die Kopfgeldjägerin furchtsam an, auch die Frau schien ganz schön nervös zu werden. Diese war von derart zarter Schönheit, dass es Tuncuri einen Stich versetzte.
Dennoch ging sie vorsichtig um den Tisch herum und brachte so ein Hindernis zwischen sich und den Soldaten.
Dieser kam ihr hinterher und griff sie nun doch an.
Schneller, als der Mann es mit seinen Augen verfolgen konnte, hatte die Attentäterin sich geduckt und ihm die Beine weggetreten, sodass er beim Aufprall auf den Boden das Messer verlor.
Tuncuri drehte unterdessen um und sprintete noch während des Aufstehens los, auf die Tür zu.
Diese war natürlich nicht verschlossen, also konnte die Bogenschützin einfach ins Treppenhaus gelangen, wo sie sofort die Treppen nach oben rannte, immer drei Stufen auf einmal nehmend.
Zwischendurch drehte sie sich um und legte eine Hand an den Köcher.
In der Enge des Treppenhauses hätte sie weder den Bogen noch das Katana einsetzen können, doch Pfeile eigneten sich auch als Stichwaffen.
Wie erwartet, kam ihr der Soldat hinterher, der nun eine Pistole und einen Säbel trug und sich eine Cap der Marine aufgesetzt hatte, damit man ihn nicht mit einem illegal bewaffneten Zivilisten verwechselte.
Tuncuri rannte weiter und erreichte das flache Dach, wo sie direkt neben dem Eingang in Deckung ging.
Der Soldat kam vorsichtig aus der Tür raus, doch er sah die Attentäterin dennoch nicht kommen, die ihm schnell wie eine zubeißende Kobra mit der Handkante gegen die Kehle schlug, worauf er so heftig zusammen zuckte, dass ihm die Cap vom Kopf fiel. Röchelnd ließ der Mann seine Waffen fallen, eine Hand an der Kehle, und taumelte rückwärts.
Es polterte mehrmals, als er auf der Treppe umkippte und in der Dunkelheit des Treppenhauses verschwand.
Tuncuri rannte über das Dach davon.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   So Okt 23 2016, 16:24

"Ich bin beeindruckt", gab Eleanor offen zu. "Du hast es geschafft, einen gewaltigen Tumult zu verursachen und trotzdem noch zu entwischen. Und das Ziel ist nach meinen Quellen tatsächlich erledigt."
"Wenn es noch mehr zu tun gibt, lass es mich wissen", erwiderte Tuncuri knapp und stopfte den letzen Bündeln Berrys in den Beutel. Von dieser Belohnung würde sie erstmal ein paar Monate auskommen, ehe sie einen weiteren Auftrag annehmen musste. Erst recht dank der Belohnung für die Ermordung des Henkers.
"Vergiss nicht, Crispy einen Besuch abzustatten", verabschiedete sich die Kriminelle mit einem hörbaren Lächeln.
Die Attentäterin konnte es nicht erwarten, den Raum endlich wieder zu verlassen und war froh, dass man ihr nicht ansah, was gerade in ihrem Inneren vor sich ging, auch wenn sie ihre Maske nicht mehr trug.
Deshalb nickte sie nur, ehe sie sich zum Gehen wandte und zum Unterschlupf zurückkehrte, in dem sich Singer und Crispy aufhielten.
Wie schon beim letzten Mal tummelten sich Hühner und Unrat auf dem kleinen Hof am Ende der Gasse, dieses Mal jedoch stand anstatt einer fetten Frau ein drahtiger Kerl mit grauem Grabenmantel und Schlapphut in der Tür, an dessen Gürtel ein Revolver hing und über dessen rechter Schulter der Griff eines Katanas schräg empor ragte.
Tuncuri grüßte ihn nicht und er nahm auch keine Notiz von ihr, als sie an ihm vorbei ging.
In der zentralen Halle fand sie wieder die Köche vor, die Tierkadaver über dem offenen Feuer rotieren ließen.
Sie wandte sich jedoch direkt nach links zur Schmiede. Nicht, weil Eleanor sie darauf hin gewiesen hatte, sondern weil sie von sich aus das Bedürfnis danach verspürte.
Als ihr das klar wurde, verlangsamte sich ihr sonst so zielstrebiger Schritt für einen Moment.
Crispy freute sich natürlich über ihre Ankunft und blickte von seinem Amboss auf, auf dem er gerade eine Maske bearbeitete.
"Schön, dich zu sehen", gab er erfreut von sich.
"Ich ertrage Eleanors Gegenwart nicht mehr, seitdem ich sie fast geküsst hätte", fiel sie unumwunden mit der Tür ins Haus. Bei Crispy hatte sie jedoch das Gefühl, alles aussprechen zu können, was ihr gerade auf dem Herzen lag und sein Blick bestätigte diese Intuition auch.
"Tja, dann habe ich vielleicht was, um dich aufzumuntern", erwiderte er und pausierte seine Arbeit.
Tuncuri gab nur ein ungläubiges Schnauben von sich, also fuhr er fort: "Ich habe festgestellt, dass man ihrem Bann nicht zwangsläufig für immer ausgeliefert ist. Das soll dich nicht unter Druck setzen, aber sie hat Recht mit dem, was sie über mich gesagt hat. Und auch wenn ich nicht weiß ob sie's selbst gemerkt hat, hat es mich tatsächlich aus ihrem Bann befreit, dass ich mich..." Der Schmied hielt inne und Tuncuri konnte an seiner Haltung und Atmung erkennen, dass sein Puls gerade auf Hochtouren lief. Zudem konnte er ihrem Blick nicht mehr standhalten, was ein eindeutiges Zeichen war.
"Dass du dich in mich verliebt hast?", hakte sie trotzdem nach, da sie es einfach nicht glauben konnte, dass sich jemand körperlich zu ihr hingezogen fühlen konnte.
Crispy nickte und warf ihr dabei einen kurzen Blick zu.
"Ich glaube nicht, dass ich dir gut tun würde", erklärte die Bogenschützin nach einem Moment der Stille.
"Nun, ich hab mir das nicht ausgesucht", lautete die spontane Verteidigung Crispys, der sich im direkten Anschluss zu versichern beeilte: "Was nicht heißen soll, dass ich glauben würde, dass du nicht liebenswert wärst."
"Schon klar", entgegnete Tuncuri trocken. "Ich kann mein Herz aber einfach niemandem öffnen."
"Kannst oder willst du das nicht?", fragte der Blauhaarige und Tuncuri musste sich schockartig eingestehen, dass diese Frage mehr als berechtigt war.
War sie nach dem Tod ihrer Eltern tatsächlich liebesunfähig geworden oder wollte sie sich nur selbst davor schützen, jemals wieder die Erfahrung machen zu müssen, einen geliebten Menschen zu verlieren?
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Mi Nov 16 2016, 14:17

Es entstand ein peinliches Schweigen im Raum.
Tuncuri dachte viel über Crispys Frage nach, während sie dem gleichmäßigen Klang des Hammers lauschte.
Die Frage hatte sie innerlich zerrissen.
Ein Teil von ihr wollte die selbst auferlegte Abstinenz brechen und die Nähe des Blauhaarigen suchen, während ein anderer Teil sich daran festklammerte wie ein Ertrinkender an Treibholz.
Um den Mahlstrom ihrer Gedanken zum Versiegen zu bringen, holte sie die Flöte von Buck hervor, welche sie schon seit über einer Woche nicht mehr gespielt hatte.



Crispy unterbrach seine Arbeit, um dem melancholischen Klang der Flöte zu lauschen.
Er beobachtete sie mit einer Mischung aus Faszination und Zuneigung, die Tuncuris innere Stimme, die sich für Crispy aussprach, lauter werden ließ, woraufhin die andere sich protestierend einmischte.
Dem Flötenspiel tat dieser innere Zwist keinen Abbruch, dafür war Tuncuri viel zu selbstbeherrscht.
Als sie fertig war, war sie deutlich ruhiger und auch das Chaos in ihrem Kopf hatte sich endlich wieder gelegt.
"Ich denke drüber nach", erwiderte sie und versuchte sich an einem Lächeln, welches jedoch fürchterlich misslang. Crispy schenkte ihr ein verständnisvolles Nicken.
Dann erhob sie sich und verließ die Schmiede wieder, begleitet vom Klang der wieder einsetzenden Hammerschläge.
In der Haupthalle traf sie wieder auf Singer, der Anweisungen verteilte.
Die beiden Männer, die ihm gegenüber standen, nickten und verließen die Halle.
"Ach, endlich bin ich die dicke Hure los!", lachte er schmutzig, als er die Attentäterin bemerkte.
"Du hast doch wohl nicht darauf spekuliert, dass ich sie für dich aus dem Weg räumen würde?", sprach diese den Verdacht aus, der ihr blitzartig in den Sinn gekommen war.
Singer reagierte mit einem Schulterzucken und hob seine Handflächen als wären sie Waagschalen, während er die Mundwinkel nach unten zog.
"Vielleicht, vielleicht auch nicht", erwiderte er gedehnt. Als er das Aufglühen in ihren Augen bemerkte, fing er an zu lachen.
"Ich hoffe, du genießt deine Position, solange du noch kannst", zischte die Bogenschützin ironisch, während sie sich von ihm abwandte und den Unterschlupf verließ.
In ihrem Rücken lachte der Schwertkämpfer über die unterschwellige Drohung in diesen Abschiedsworten.
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BeitragThema: Re: Wo bleibt denn dein Sinn für Humor?   Heute um 17:28

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